Interview Rücktritt Parteipräsident

Erschienen im LIBERAL JOURNAL 2021/4: https://www.fdp-stadtluzern.ch/liberal-journal

24. September 2021

Du bist vor wenigen Tagen nach 6 Jahren als Präsident der FDP.Die Liberalen der Stadt Luzern zurückgetreten. Haben sich deine beim Amtsantritt gehegten Erwartungen erfüllt?

Im Parlament haben wir - noch verstärkt seit den letzten Wahlen - hartes Brot zu essen. Die aktuelle links-grüne Mehrheit macht es für uns im Parlament sehr schwierig. Als Partei aber haben wir uns in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Nach aussen haben wir unser Profil geschärft und nach innen haben wir unseren Zusammenhalt gestärkt; wir arbeiten als tolles Team zusammen. Um auf deine Frage zurückzukommen, mein lieber Herbert, meine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt; dass es politisch einfach werden würde, hatte ich nie erwartet.

Was hat die Partei unter deiner Führung erreicht, wo hättest du gerne andere Resultate gesehen?

In den letzten Jahren war unsere Partei erfolgreich. In zwei städtischen Wahlen konnten wir unsere Sitze im Parlament halten. Bei den letzten Wahlen konnten wir - trotz grüner Welle - unseren Wähleranteil ausbauen, leider hat es nicht zu einem Sitzgewinn gereicht. Auf das Ergebnis dürfen wir auf jeden Fall stolz sein. Wir sind mit topmotivierten 44 Kandidatinnen und Kandidaten auf 3 Listen angetreten. So sind wir zur klar stärksten bürgerlichen Partei im Parlament geworden; CVP und SVP mussten in den letzten Wahlen herbe Verluste hinnehmen. Auch stolz sein dürfen wir darauf, dass unser Stadtrat Martin Merki zum zweiten Mal im ersten Wahlgang wiedergewählt wurde, 2016 sogar mit dem besten Resultat aller Stadtratskandidaten. Aber wir mussten bei Wahlen auch schmerzende Niederlagen einstecken. Die Sitzverluste bei den letzten Kantonsratswahlen schmerzen noch immer!

Was muss die Partei anders machen?

Die Mehrheiten im Parlament zwingen uns, vermehrt ausserparlamentarische Mittel zu nutzen. So haben wir Initiativen und Referenden ergriffen. Ein wichtiger Erfolg ist sicher die gewonnene Abstimmung zum konstruktiven Referendum mit Parkplatzkompromiss. Hier war unsere Partei von Anfang an im Lead und hat gezeigt, dass wir nicht nur referendumsfähig sind, sondern Abstimmungen auch gewinnen können. Damit sind wir auch im Parlament einflussreicher, weil Links-Grün jetzt weiss, dass wir Referenden gewinnen können.

Die FDP als Oppositionspartei also?

Die Rolle der Oppositionspartei liegt uns naturgemäss wenig. Wir sind Macher, wir möchten konstruktiv mitgestalten. Dass dies bei den aktuellen Mehrheiten im Parlament so schwierig geworden ist, macht es uns Liberalen schwer. Inhaltliche Erfolge gibt es darum diesen Umständen zu wenige!

Welches waren für dich persönlich die grössten Erfolge in deinem Amt?

Unsere Erfolge als Partei haben wir als Team erreicht! Persönlich schaue ich darum weniger auf Erfolge als auf schöne Erlebnisse zurück. Die grösste Bereicherung und Motivation sind für mich immer wieder die Begegnungen mit spannenden Menschen.

Es machte einfach Freude, Präsident dieser Partei sein zu dürfen. In unserer Partei finden so vielfältige liberale Persönlichkeiten zusammen und unser diesjähriges Sommerfest im Hotel Schweizerhof - nach einem Jahr coronabedingter Zwangspause - war ein ausserordentlich schönes Fest im Kreis der FDP-Familie.

Was viele vielleicht nicht wissen: ich bin nicht in Luzern aufgewachsen; erst nach dem Studium bin ich in die schönste Stadt der Welt gezogen. Ich habe die Stadt und ihre Menschen immer als offen erlebt. Für diese Offenheit setze auch ich mich ein, denn Weltoffenheit macht Luzern aus.

Welche Lehren ziehst du für die neue Parteileitung aus diesen fünf Jahren?

Die Städte sind leider zu einem harten Pflaster für liberale Parteien geworden. Warum das so ist, ist mir eigentlich ein Rätsel. Es ist entscheidend, darauf zu achten, dass wir selbst Themen setzen und nicht bloss auf den Druck der politischen Gegenseite reagieren. Wir tun gut daran, präsent zu bleiben und als Parteileitung auch mal mutig voranzugehen; unsere Basis schätzt und unterstützt dies.

Hat die seit 1 ½ Jahren herrschende Corona-Pandemie deine Präsidentschaft beeinflusst? Auf welche Art?

Corona betrifft uns alle. Ich bin längere Zeit im Amt geblieben, als das eigentlich geplant war. Geplant war der Wechsel im Präsidium nach den städtischen Wahlen 2020. Ich bin Unternehmer und zu Beginn der Pandemie standen wir Unternehmer unter einem existentiellen Schock. Das werde ich nie vergessen. Ich denke an all die Unternehmen, welche bis heute massiv unter der Pandemie leiden. Ich habe im Liberal Journal darüber geschrieben, wie sehr mich die persönlichen Angriffe der SP auf Luzerner Unternehmerpersönlichkeiten in Zeiten der Pandemie betroffen gemacht haben.

Was liegt dir noch am Herzen?

Ich möchte Euch allen von Herzen Danke sagen für euer Vertrauen und Eure grosse Unterstützung! Es war mir eine echte Freude, unsere Partei führen zu dürfen und gemeinsam mit Euch allen die städtische Politik mitzugestalten. Würde es die FDP nicht geben, man müsste sie sofort erfinden; das gleiche gilt natürlich auch für das Liberal Journal :-)! Marija Bucher und Lucas Zurkirchen wünsche ich viel Freude und Erfolg, vor allem das liberale Feuer und die Liebe zu unserer liberalen Partei.