Einschränkung für gute Idee

Standpunkt in der Luzerner Rundschau vom 20.10.2017

Mietvelos sind eine gute Sache. In Luzern erfreuen sie sich genauso wie in anderen Städten steigernder Beliebtheit. Klar, dass dieser Boom zusätzliche Anbieter aus entfernteren Teilen der Welt auf den Plan ruft, wie die Medien vor einigen Wochen berichteten. So war in der Luzerner Zeitung unlängst zu lesen, dass die Singapurer Firma oBike alle Vorbereitungen für den Rollout in Luzern getroffen hatte. Nach anfänglich positiven Signalen ist der Stadtrat zurückgekrebst und will dem freien Markt durch eine Bewilligungspflicht Schranken setzen. Vielleicht will er auch einfach verhindern, dass sein eigener Mietvelo-Anbieter sich mit einem oder mehreren Mitbewerbern messen muss.

Gleichzeitig mit der Beliebtheit der Mietfahrräder wachsen auch die technologischen Fortschritte in Sachen Benutzung. Dank Smartphone funktionieren Ausleihsysteme nach dem Free-Floating-Prinzip einfach und clever. Auf einer App auf seinem Smartphone sieht der Benutzer, wo das nächste freie Velo steht. Vor Ort schaltet die Velofahrerin mit einem QR-Code das Velo frei und kann sofort losfahren. Am Ziel der Fahrt wird das Velo abgeschlossen und der Benutzer kann es einfach stehen lassen; das Miet-Velo muss also nicht an einen fixen Standort zurückgebracht werden.

Neue private Anbieter, neue Technologie und mehr Nutzer - all das ist durchaus sehr erfreulich. Zu denken gibt lediglich die Haltung des Stadtrates. Jahrelang hat er den Standpunkt vertreten, dass sich das Abstellen von Velos nicht einschränken lasse. Nun, da Konkurrenz vor der Türe steht, scheint sich der Wind plötzlich gedreht zu haben und damit auch seine Meinung. Plötzlich braucht es Konzepte, Abklärungen, Bewilligungen. Wo bleibt da die Logik? Ich sehe sie nicht. Mehr Velos bedeutet zudem eine Verschärfung des Velochaos auf den Veloparkplätzen. Auch dafür wird es Lösungen brauchen.