Eine Grünfläche ist grün

Rot-Grün ist farbenblind und hat den Text der eigenen Initiative vergessen.

Die Initiative der JUSO der Stadt Luzern fordert im Wortlaut: „Der Carparkplatz Inseli-Quai wird aufgehoben zugunsten einer Erweiterung der dort bestehenden Grünfläche.“ Bei Annahme dieser Initiative würde die Määs mit ihrem dazugehörigen Lunapark vom Inseli verbannt. Denn: die schweren „Chilbi-Bahnen“ erfordern einen tragfähigen Untergrund; sie können nicht auf dem Grasboden abgestellt werden. Nun endlich dämmert es den Initianten und dem der Initiative günstig gesinnten Stadtrat. Sie wollen die Määs nicht vom Inseli verbannen. So was könnte ja niemand verstehen! Also: was tun die in arge Verlegenheit geratenen Initianten und der Stadtrat? Sie interpretieren die geforderte „Grünfläche“ als befestigten Schotterplatz.

Ein Schotterplatz ist aber – nicht nur farblich – keine Grünfläche. Er würde es auch nicht, wenn die JUSO ihn mit grüner Farbe streichen würde. Oder darf man vielleicht den Initiativtext gar nicht so ernst nehmen? Dann hätten vielleicht grüne Cars weiterhin auf dem Inseli Platz. Und weil Farbenblinde mit der Unterscheidung von Grün und Rot Mühe haben, dürften vielleicht auch rote Cars auf dem „rot-grünen“ Untergrund stehen; denn man hat ja für diese Vehikel noch keinen anderen Platz gefunden.

Spass beiseite! Die Umsetzung von Initiativen hat in jüngster Zeit zu grossen Demokratie-Belastungen geführt. Demokratie steht auf dem Spiel, wenn angenommene Initiativen nicht umgesetzt werden und wenn Initiativen angenommen werden, die nicht umsetzbar sind. Wenn im Inseli-Fall niemand (auch nicht die Initianten) diese Initiative umgesetzt haben wollen, weil niemand die Määs vom Inseli verbannen will, wer soll dann für diese Initiative stimmen?

Wird «heile Määs-Welt» durch ein grünes Inseli zerstört?
Luzerner Zeitung vom 22. August 2017