Fehlt dem Stadtrat der Wille zu Verkehrslösungen?

Standpunkt in der Luzerner Rundschau vom 23.03.2017

Bald seit Jahrzehnten wird über den Bypass gesprochen, um den Verkehr in Stadt und Agglomeration zu entlasten. Nach dem generellen Ja des Bundes nahm im Februar der Stadtrat Stellung. Er lehnt das optimierte Vorprojekt zur Spange Nord ab. Falls sich keine stadtverträgliche Lösung finden lässt, fordert er die Planung des Projekts Bypass entgegen den Forderungen des Bundes ohne diese Entlastungsstrasse.

Es ist richtig, dass sich die Stadtregierung für eine stadtverträgliche Umfahrungsstrasse und damit für die Interessen aller Quartiere einsetzt. Wenn sie aber die Bedingungen so formuliert, dass sie gar nie erfüllt werden können, kommt dies einem Politikwechsel gleich. Denn der Stadtrat stand bisher im Grundsatz hinter der Spange Nord. Nun zählt er fast ausschliesslich negative Auswirkungen der Umfahrungsstrasse auf und erwähnt die Vorteile nicht einmal mehr: die Spange Nord bringt eine erhebliche Entlastung überlasteter Strassen im Stadtgebiet und verbessert die wirtschaftlich notwendige Erreichbarkeit (inkl. zuverlässige Verkehrsanbindung des wachsenden Kantonsspitals).

Die Stadtregierung möchte das Projekt wohl am liebsten begraben und den motorisierten Individualverkehr ganz verbannen. Deutet der Stadtrat womöglich an, dass es gar keine Lösung braucht, wenn er sagt, dass die Seebrücke seit 2010 mit weniger Autos belastet ist? Auch scheint er das prognostizierte Verkehrswachstum von jährlich 30 Prozent bis ins Jahr 2030 nicht in seine Betrachtungen einzubeziehen. Ebenso wenig die Veränderungen im Verkehr. Dank e-Mobilität wird sich sowohl Lärm- wie auch Schadstoffbelastung reduzieren lassen.

Luzern braucht eine Lösung, um in den nächsten Jahren die wirtschaftlich notwendige Erreichbarkeit zu gewährleisten. Bleibt zu hoffen, dass jene Kreise, die einen partizipativen Prozess mit allen Involvierten verlangen, das Projekt noch in eine zielführende Richtung steuern können.

Spange Nord und Massnahmen für den öV Bild: Spange Nord und Massnahmen für den öV