Wo kämen wir hin?!

Der Frage „Wo kämen wir hin, wenn …? begegnen wir sehr häufig: im Treppenhaus, am Stammtisch, in Leserbriefen, in politischen Voten. Doch jene, die diese Frage stellen, stellen gar keine echte Frage. Sie warnen vielmehr mit dem Drohfinger vor dem, was dann kommen wird. Und was wird dann kommen? Das ist doch keine Frage: selbstverständlich Unglück, Unheil, Chaos, Entsetzliches, Katastrophe, Weltuntergang!

Und damit all das Furchtbare nicht seinen Anfang nehmen kann, schwingen jene, die sich berufen wissen, das Entsetzliche abzuwenden, drohend den Knüppel Imperativ „Wehret den Anfängen!“ Ist aber nicht gerade dies das Entsetzliche: den Anfängen zu wehren? Dem Kind die ersten Schritte, der Gesellschaft die Entwicklung, den Forschenden neue Fragen, den Menschen neue Ideen zu verwehren? Den Anfängen wehren, weil das Beginnende sich zwangsläufig zum Schlechten entwickeln wird? Mir ist es, geprägt von liberalen Werten, ein Anliegen, dass Anfänge, Initiative und Innovation, Kreatives und sich Entwickelndes nicht durch möglichst viele Einschränkungen und Verbote den Schwung verlieren, schon gar nicht bereits im Keim erstickt werden.

Es ist lebensnotwendig, immer wieder anzufangen, neue Wege zu gehen; gerade auch dann, wenn wir nicht mit absoluter Sicherheit wissen, wohin sie führen. Das Kind ahnt, dass es bei seinen ersten Schritten auf die Nase fallen wird. Wenn wir – auch aber nicht nur als Unternehmer - etwas wagen, dann können wir auf die Nase fallen. Doch wir können auch wieder aufstehen und – um eine Erfahrung reicher – wieder anfangen, den Weg gehen und so sehen, wohin wir kommen. „Wo kämen wir hin?“

Der Berner Schriftsteller Kurt Marti meint:

«Wo chiemte mer hi
wenn alli seite
wo chiemte mer hi
und niemer giengti
für einisch z’luege
wohi dass me chiem
we me gieng.»