Die neuen alten Bilder gehören auf die Kapellbrücke

Der Brand der Kapellbrücke im Jahre 1993 löste in Luzern und weit darüber hinaus, ja in der ganzen Welt, Trauer aus. Das Feuer hatte grosse Teile der Holzbrücke zerstört: einen Grossteil der Balken, Bretter und Ziegel gab es nicht mehr. Den Flammen getrotzt haben die beiden Brückenköpfe und je ein Stück Brücke an beiden Ufern der Reuss: ein desolater und deprimierender Anblick. So konnte man das, was nach dem verheerenden Brand übrig geblieben war, nicht stehen lassen. Man hätte damals diesen kläglichen Rest abreissen und allenfalls eine neue Brücke bauen können. Doch zu diesem Entscheid kam es – zum Glück – nicht.

Die durch den Brand zerstörten Brückenteile sind wieder aufgebaut worden

Man hat sich vielmehr entschieden, die durch den Grossbrand zerstörten Teile durch neue - nach dem Vorbild der alten gefertigte – Teile zu ersetzen. Und so gibt es heute die alte Kapellbrücke wieder, sie dient als Flussübergang, verbindet Geschichte und Gegenwart und ist ein unersetzbares Kulturgut und Wahrzeichen der Stadt Luzern.

Die Brücke ist nach der Feuersbrunst mit neuem Holz wieder aufgebaut worden. Und schon vor dem Brand sind über die Jahrhunderte die Balken und Bretter mehrmals ersetzt worden. Nur durch Erneuerung hat die Brücke die Jahrhunderte überlebt und nur durch Erneuerung hat sie ihre Identität bewahren können. Doch niemand spricht aufgrund dieses Umstandes von der neuen Kapellbrücke; die Bauteile sind neu, die Brücke ist alt.

Der Brand hat auch viele Bilder im Giebel der Holzbrücke definitiv zerstört. Diese Bilder hatten viel zu erzählen von unserer Stadt; nun gibt es sie nicht mehr, diese alten unersetzbaren Bilder: sie fehlen.

Im Giebel des zerstörten und inzwischen wieder aufgebauten Teiles der Brücke hängen nun andere Bilder; einzelne verkohlte Bilder erinnern an den Brand; die Mehrzahl der Giebelfelder ist leer. Die leeren Giebelfelder erinnern an den Brand, doch Geschichten können sie – im Unterschied zu Bildern – nicht erlebbar machen.

Die durch den Brand zerstörten Bildertafeln sind wieder gemalt worden

Dank privater Initiative sind - nach dem Vorbild der alten Bildertafeln – die Kapellbrücken-Bilder neu gemalt worden. Es sind Kopien; sie erheben nicht den Anspruch, den zerstörten Bildern gleichwertig zu sein. Die neugemalten alten Bilder sind sorgsam gelagert und warten darauf, die Lücken im Brückengiebel zu füllen. Die entsprechenden Aufhänge-Vorrichtungen sind bereits vorhanden. An der Brückensubstanz muss nichts verändert werden. Die Bildertafeln werden der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt. Für den künftigen Unterhalt wird eine Stiftung aufkommen. Die Bilder müssen nun im Lagerraum warten, weil die geltende Hängeordnung dies so will. Diese Hängeordnung liegt im Zuständigkeitsbereich des Kleinen Stadtrates. Dieser aber will die neugemalten Bilder aus juristischen, kunsthistorischen und denkmalpflegerischen Rücksichten nicht auf der Kapellbrücke aufhängen lassen.

Und wie kommen die Bilder nun doch auf die Kapellbrücke? Die Stadtregierung und das Parlament haben es in den letzen Jahren verpasst, den Bilderzyklus der Bevölkerung und unseren Gästen aus der ganzen Welt wieder zugänglich zu machen. Wenn die Bevölkerung Luzerns die neugemalten alten Bilder auf der Brücke haben will, geht dies nur über den Weg einer Änderung der Zuständigkeit für die Hängeordnung. Auf diesem Weg kann der Grosse Stadtrat und können allenfalls die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt Luzern entscheiden, ob die neugemalten alten Bilder auf der Kapellbrücke ihre Geschichten wieder erzählen dürfen.

Die Bilder gehören auf die Brücke!

Mit der Annahme der Initiative «Die Bilder gehören auf die Kapellbrücke» werden die Weichen gestellt, damit die „Kapellbrücken-Bilder“ tatsächlich auf die Brücke kommen.

Initiativkomitee Initiativkomitee der Kapellbrücken-Initiative (v. l. n. r.): Maurus Zeier, Julia Bachmann, Yvonne Ruckli, Fabian Reinhard