Muss die Stadtverwaltung Büros an Toplagen haben?

Immer wieder wird aus Wirtschaftskreisen bemängelt, dass in der Stadt grosse, zusammenhängende Büroflächen fehlen, um grössere Unternehmen anzusiedeln beziehungsweise in der Stadt zu halten. Die geplante Überbauung auf dem EWL-Areal scheint hier eine Wende einzuläuten. Mindestens sieht es auf den ersten Blick so aus. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass von den rund 42‘000 Quadratmetern Büroflächen lediglich knapp 9‘000 auf den freien Markt kommen. Der ganze Rest wird von der EWL und der Stadtverwaltung belegt. Wir von der FDP beurteilen das EWL-Areal als Filetstück und können nicht nachvollziehen, weshalb die Stadtverwaltung ausgerechnet Räumlichkeiten an einer Toplage für sich selbst beanspruchen will. Wir sehen keinen zwingenden Grund, weshalb etwa das Tiefbauamt oder die Stadtgärtnerei, die bereits jetzt dort domiziliert sind, an diesen Standort gebunden sind. Anders sieht es den Umzug der Feuerwache aus, die dort wahrscheinlich einen optimalen Standort erhalten würde.

Mit einer dringlichen Motion machte die FDP-Grossstadtratsfraktion den Stadtrat auf diese Tatsache aufmerksam und erinnerte daran, dass die Gemeinde Littau 2004 ihr neues Gemeindehaus eingeweiht hat. Die Stadt besitzt somit seit der Fusion ein sehr modernes, zeitgemässes, grosses Verwaltungsgebäude mit rund 3‘800 Quadratmetern Nutzfläche, das sie zurzeit nur teilweise selber nutzt und das sich möglicherweise bei Bedarf sogar erweitern liesse.

Aus FDP-Sicht fehlt bei der Stadt eine Strategie, die kurz- und mittelfristig die vorhandenen Bedürfnisse an Bürofläche aufzeigt. Ein Planungsbericht soll dies ändern. Gleichzeitig soll darin aufgezeigt werden, ob auch Möglichkeiten bestehen, die flächenmässigen Ansprüche zu reduzieren, insbesondere in Bereichen mit vielen Teilzeitstellen. Basierend auf dieser Analyse verlangt die FDP Aussichten, wo die erforderlichen Flächen wirtschaftlich effizient realisiert werden können.

Erschienen in der Luzerner Rundschau (19.01.2017)

EWL Areal Bild: EWL Area (Google Maps)


Bedarf an Büroflächen der Stadtverwaltung mittel- und langfristig planen und optimieren

Dringliche Motion

Für ihre Verwaltungstätigkeit benötigt die Stadt Luzern geeignete Büroflächen. Die Stadtverwaltung ist heute auf verschiedene Standorte verteilt. Wichtige Funktionen befinden sich nebst dem Stadthaus im Hirschengraben und den angrenzenden Gebäuden insbesondere an der Industriestrasse, am Kasernenplatz, an der Pilatusstrasse, an der Arsenalstrasse sowie am Ruopigenplatz im ehemaligen Gemeindehaus von Littau (Haus der Informatik). Aus den Antworten des Stadtrats auf die Interpellation 332 Was unternimmt der Stadtrat gegen die Abwanderung von Unternehmen? geht hervor, dass auf dem Areal von ewl Energie Wasser Luzern rund 62’500 m2 Nutzfläche realisiert werden können. Davon seien etwa 20’000 m2 für Wohnnutzungen vorgesehen. Somit verbleiben etwa 42’000 m2 für Dienstleistungsflächen, was für die Stadt Luzern ein enormes Potential und eine grosse Chance bedeutet. Aus der Antwort des Stadtrats geht allerdings weiter hervor, dass die frei vermarktbare, d.h. nicht durch ewl Energie Wasser Luzern oder die Stadtverwaltung selbst genutzte Fläche, bloss knapp 9’000 m2 beträgt. Mit anderen Worten sind von den realisierten über 40’000 m2 Dienstleistungsflächen nur gerad 21 % frei vermarktbar.

Die Gemeinde Littau hat 2004 ihr neues Gemeindehaus eingeweiht. Die Stadt Luzern besitzt somit seit der Fusion ein sehr modernes, zeitgemässes und grosses Verwaltungsgebäude (ca. 3’800 m2 Nutzfläche), welches sie zurzeit nur teilweise selber nutzt.

Aus Sicht der FDP-Fraktion fehlt eine Strategie, welche kurz- und mittelfristig die vorhandenen Bedürfnisse an Büroflächen aufzeigt und darstellt, wie diese zukünftige abgedeckt werden können. Insbesondere der mittelfristige Umgang mit dem modernen Verwaltungsgebäude am Ruopigenplatz ist aus Sicht der FDP-Fraktion nicht geklärt. Der Bau von neuen, zusätzlichen Büroräumen im geplanten Ausmass auf dem Areal von ewl Energie Wasser Luzern für die Stadtverwaltung wird von der FDP-Fraktion sehr kritisch beurteilt, wenn gleichzeitig das Verwaltungsgebäude in Reussbühl weitgehend durch Dritte genutzt wird. Hinzu kommt, dass der Kanton bekanntlich plant, seine Verwaltung am Seetalplatz zu konzentrieren, wovon voraussichtlich auch die Dienststelle Informatik, welche zur Zeit Räume am Ruopigenplatz belegt, betroffen sein wird.

Wir bitten den Stadtrat deshalb, dem Parlament in einem kurzen Planungsbericht aufzuzeigen, welche Büroflächen mittel- bis langfristig benötigt werden. Dabei ist auch zu prüfen, in welchem Umfang die Ansprüche an Büroflächen reduziert werden können, insbesondere in Bereichen mit vielen Teilzeitstellen. Basierend auf dieser Analyse ist darzustellen, wo diese Flächen in geeigneter Weise, wirtschaftlich effizient realisiert werden können. Dabei ist ein Hauptfokus auf die Eigennutzung des modernen Verwaltungsgebäudes im Stadtteil Reussbühl zu richten. Weiter ist zu prüfen, ob dieses Gebäude mittelfristig erweitert werden kann, falls sich daraus eine effizientere Nutzung ergibt. Auf die Realisierung von neuen Büroflächen für die Stadtverwaltung auf dem Areal von ewl Energie Wasser Luzern ist, soweit wie möglich, zu verzichten, um möglichst viel zur freien Vermarktung zur Verfügung stehende Dienstleistungsflächen zu ermöglichen.

Rieska Dommann und Fabian Reinhard, namens der FDP-Fraktion

Bericht Büroflächen LZ Bild: Bericht in der Luzerner Zeitung vom 06.01.2017


Ausblick ins Politjahr 2017

Luzern braucht dringend einen Entwicklungsschub

Seit dem Beginn der neuen Legislatur im Herbst hat sich gezeigt, dass sich die neuen Mehrheitsverhältnisse ungünstig auf die Stadtentwicklung auswirken. Links-Grün hat bereits zwei zukunftsweisende Projekte verunmöglicht: die Salle Modulable und das Parkhaus Musegg. Alternative Lösungen haben wir leider keine gesehen.

Luzern braucht dringend einen Entwicklungsschub. Bereits für die Wahlen 2016 haben uns thematisch auf Finanzen, Verkehr, Stadtentwicklung konzentriert. Diese Themen werden uns auch 2017 beschäftigen. Wir wollen dazu beitragen, dass die städtischen Finanzen auf einer gesunden Basis stehen.

Besonders nach dem von Links-Grün erzwungenen vorläufigen Planungsstopp für das Parkhaus Musegg braucht es Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Das Carproblem am Schwanenplatz muss gelöst und die Erreichbarkeit der Stadt – gerade auch für das Gewerbe und die Wirtschaft - verbessert werden. Beim flüssigen – oder leider oft stockenden – Verkehr sind weitsichtige, gesamtheitliche Ansätze, die nicht an der Stadtgrenze Halt machen, dringend notwendig. Diesen wollen wir zum Durchbruch verhelfen. Konkret sind das Bypass, die Spangen Nord und Süd sowie der Durchgangsbahnhof.

Staus gehören indes nicht nur im Verkehr zum Alltag. Auch in der Stadtentwicklung sind sie allgegenwärtig. An Schlüsselarealen wie dem Pilatusplatz, der Industriestrasse, dem Gebiet Steghof etc. nutzt die Stadt ihre Chancen nicht. Es braucht nicht laufend neue Konzepte, Machbarkeitsstudien und partizipative Prozesse. Es braucht zählbare Resultate und eine entschlossene Vorwärtsstrategie. Nur so lassen sich neue Unternehmen ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen.

Erschienen in der Luzerner Zeitung vom 31.12.2017